Olivenernte

Tja, Grundvoraussetzung ist erst mal, dass nennenswerte Mengen an Oliven dranhängen. Das ist keineswegs immer gegeben. Es gibt Jahre, da spielt das Wetter zur Zeit der Bestäubung (Olivenblüten werden durch den Wind bestäubt) nicht richtig mit und wenn wenig dran sind, dann hat die Olivenfliege nur wenige Kandidaten zum Anbohren, d.h. wenn wenig dran sind, dann sind alle ein oder zweimal angebohrt, frühreif, faul und frühzeitig abgefallen. In einem der Bilder kann man die Erntestatistik sehen.

Wenn also genug dran hängt, dann muss das Gras gut geschnitten sein. Hat man spät im Jahr kurz vor dem trockenen Sommer geschnitten, ist das Gras meist noch kurz genug. Hat man früh geschnitten, dann muss man (am Besten im Oktober) nochmal nachschneiden. Wenn man das macht kann man im Oktober schon mal die Netze ausbreiten. In ca. 35 % des gepflegten Olivenhains sind Netze aufgehängt, die man ausbreiten und zusammennageln kann. Zusammennageln ist eine Stecktechnik mit schwarzen Plastiknägeln, mit der die Netze verbunden werden. 

Die Oliven sind so ab Anfang November erntebereit. Anfang November gibt es allerdings noch viele grüne. Diese enthalten weniger Öl, sind aber auch weniger faul. Die Olivenfliege legt ein Ei in die kleinen grünen Oliven und die Made wächst mit der Frucht. Wenn die Olive noch grün ist dann ist die Made auch noch klein und wenig Fruchtfleisch ist zerstört, d.h. auch weniger Oberfläche für Faulungsprozesse.

Die eigentliche Ernte erfolgt mit Bambusstöcken, mit denen die Oliven ins Netz/Netze geschlagen werden. Die Bambusstangen müssen durchgetrocknet sein und im Schatten trocken gelagert werden, sonst sind sie entweder zu schwer oder rissig. Die Stangen sind bis 6 m lang und für die „Schüttelarbeit“ braucht es genug Körpergewicht und dicke Arme.

Die geernteten Oliven inklusive Blätter und abgeschlagenen kleinen Zweigen werden mit Eimern aus den Netzen genommen und auf einem Rollsieb ausgelesen. Das Rollsieb hat Längsrillen in denen die Oliven nach unten kullern und die Blätter durchfallen. Faulige Oliven müssen mit der Hand ausgelesen werden. Wenn zu viel faulige dabei sind, dann schmeckt das Öl später nicht.

Da bei nur 35 % der Bäume Netze vorinstalliert sind, es aber auch viele gut besetzte Bäume außerhalb dieser Bereiche gibt, haben wir auch ein Handnetz, mit dem man von Baum zu Baum ziehen kann  und diese einzeln abernten kann. Da das Ganze ja im Steilhang mit Terrassen stattfindet, ist es eine sehr mühevolle Arbeit. 

Die geernteten Oliven werden in diversen Plastikwannen gesammelt. Nach 3 - 4 Tagen Ernte ist man  normalerweise erschöpft und will nicht mehr. Dann füllt man die Oliven in Säcke, diese schleppt man ins Auto (Schubkarre) und fährt das Ganze zur Olivenmühle in Lombricese (unten im Tal). Dort kippt man die Oliven in einen großen Plastikkorb, der dann mit dem Gabelstabler hinten auf den Lagerplatz (erhöht, ca. Dachhöhe der Mühle) gefahren und dort gewogen wird. Dann die spannende Frage: hat man genügend Oliven (200 kg) für eine Eigenpresse?

Heute (wenn es ein echtes Mastjahr ist, dann muss man eine prenotazione (Voranmeldung) machen) läuft in der Mühle alles so schnell, dass man am nächsten Tag sein Öl holen kann. Der Besitzer ist auch Rentner und kann somit auch am Vormittag mahlen.

 

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© Martin Ricken