Della funicolare aerostatica dell’Alto Matanna

 

Steht man vor der Grota al Onda und schaut ins Tal, erstrecken sich linker Hand steile hohe Felsen;  vor einem gibt es eine wilden, lichten steilen Wald, den man auf verschiedensten Trampelpfaden hinunter toben kann. Man kommt zu Bauwerken, die das Wasser des Tales (wenn es dann mal Wasser führt) in die Wasserleitung führt, überquert die Wasserleitung, schnuppert an den halbzerfallenden Häusern an der Leitung und geht tiefer.

Plötzlich kommt man an einen großen ebenen Platz, der künstlich angelegt wurde und mit einer hohen Stützmauer zum Tal abgeschlossen wird.  Auf dem Foto links wird der Platz anscheinend von italienischen Steppenvölkern zum temporären Leben genutzt. Dazu eignet er sich sehr gut, weil er eben ist in dieser doch sehr steilen Gegend.

Man befindet sich auf dem Startplatz des Palone.

Man schreibt das Jahr 1910, die ersten reichen Badegäste (damals auch viele Engländer) verbringen ihre Ferien in Viareggio. Zehn Jahre zuvor, d.h. 1900 war der erste Zeppelin gestartet; in den Jahren 1900-1910 gab es in Deutschland eine echte Zeppelin Euphorie, weitere Zeppelinbauten wurden über eine Lotterie und Staatsgelder realisiert.

Alemanno Barsi, der Besitzer und Betreiber der Albergo di Alto Matanna, hatte eine tolle (im Endeffekt nicht ganz so gute) Idee: Bisher wurde seine Unterkunft und sein Gastwirtschaft wohl nur von armen Steinbrucharbeitern frequentiert: Wie wär es denn, wenn er die reichen Nichtstuer aus Viareggio in sein Etablissement locken könnte? Das wäre die Verdienstquelle! Jedenfalls gründete er eine Gesellschaft mit begrenzter Haftung zusammen mit seinem Sohn in Viareggio und ließ eine verwegene Seilbahn vom hinteren Lombricese-Tal hoch nach Alta Matanna bauen. Keine gewöhnliche Seilbahn: eine die mit einem großen, mit Wasserstoff gefüllten Ballon funktionierte.

Er ließ auch eine wunderschöne Postkarte machen, wie man links sieht. Der seltsame Berg im Hintergrund ist der Procinto, der zwar in der Nähe der Albergo di Alta Matanna liegt, aber von der Seilbahn oder dem Albergo auf keinen Fall gesehen werden kann. Man sieht also, im Ganzen war viel Fantasie drin.  (By the way: Vor ein paar Jahren ist diese Postkarte in einer Versteigerung für 2000€ über den Tisch gegangen, es gibt wohl nur noch 5 Exemplare). Und hier mal der Procinto als Foto; die Drähte, die man sieht, gehören nicht zu einer Seilbahn, sondern sind  u.a. die Stromversorgung von Alto Matanna:

 

 

Das Projekt hatte riesige Ausmaße: es mußte das Seil gezogen werden mit einem großen Fundamenten unten und oben. Es mußte unten der Startplatz gebaut werden. Auf diesem ein große Hangar, in dem der Ballon verstaut werden und gegen Unwetter geschützt werden konnte. Es wurde eine Straße vom oberen Landeplatz zur Albergo gebaut.

 

In der Karte rechts sind die wichtigen Orte eingetragen. Der schwarze Strich ist das Seil (überbrückt 300m Höhe), die blaue geschlängelte Linie die „Straße“ vom Landeplatz zur Albergo.

 

Die "Straße" gibt es noch heute. Wenn man von Alto Matanna nach St. Rocchino (dem Pass zwischen Lombricese Tal und Vezza-Tal, von dem es dann runter nach Casoli geht), geht man auf diesem Weg, der sich deutlich von anderen Fußwegen unterscheidet, bis zum Foce del Pallone. Foce (gesprochen Fotsche) heißt Mündung und ist ein Wegkreuz, aber nicht die obere Station. An diesem Wegkreuz verläßt man dann die "Straße" und geht rüber auf den roten Weg, der einen dann nach Rocchino leitet.

 

Eine Zufahrt zum Startplatz findet man nebenbei nicht. Die Materialien wurden alle auf Esel etc. herbeigeschafft. Die Besucher mussten unten auch auf Maultieren oder Eseln zum Startplatz reisen. Wie weit die Straße von Camaiore zu der Zeit in die Nähe des Startplatzes reichte, ist offen. Heute geht man an der unteren Stützmauer einen Fußweg entlang, kommt zu zwei Häuserruinen mit zerfallenen Dächern (aber ohne Zufahrt) und geht den Fußweg weiter. Zu einer befahrbaren Straße kommt man erst nach ca. 1km oder mehr.

Mehrere Sachen bleiben ungeklärt. Wo kam das Gas her? Wie kam der Ballon wieder runter?

Da nur 15 Jahre später im ersten Weltkrieg es hunderttausende von Giftgasbehältern gab, die im Prinzip wie unsere heutigen Gasflaschen aufgebaut waren, könnte man sich denken, dass der Wasserstoff aus der Flasche kam (Erste Druckgasflaschen tachten schon 1885 auf! Aus Guss, 150bar!) . Und da der Ballon aus impregnierter Seide Seide war, war er bestimmt nicht dicht. D.h. man musste wahrscheinlich sowieso immer Gas nachfüllen. Und wenn man nur wenig nachfüllte, dann kam der Ballon wieder runter.

Und noch eine Kleinigkeit: Der Ballon hieß Rosetta, obwohl er grau war.

Dem Abenteuer machte ein Unwetter das Ende: ein Blitz schlug in den Hangar ein in dem der Ballon war und das Ganze endete in einem großen Feuer. Nach 3 Monaten Betrieb. Schade.

(Christian Falland danke ich für die vielen Dokumente und Fotos)

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© Martin Ricken